Temporal Coordination

Die zeitliche Koordination ist ein wichtiger Aspekt von Teamarbeit. Die Koordination bezieht sich z.B. auf die Beobachtung des eigenen Teamarbeits-Fortschritts, als auch auf das richtige Timing z.B. durch die Beobachtung der Zustände eines technischen Systems, die zeitliche Reihenfolge von Unteraufgaben, die Anpassung sowie dynamische Veränderungen im Kontext.

Grundlage einer optimalen zeitlichen Koordination ist die sog. Task State Awareness (TSA). Ohne TSA entstehen z.B. Fehler beim Timing und bei der Synchronisation von Tätigkeiten. In dem beantragten Projekt fokussieren wir die zeitliche Koordination von räumlich getrennt arbeitenden Teammitgliedern in der Produktion.
Um die zeitliche Koordination und die TSA zu unterstützen, nutzten Teams in einem gemeinsam geteilten (nicht verteilten) Kontext verschiedene Techniken wie z.B. das Seite-an-Seite Miteinanderarbeiten und eine geskriptete Koordination (durch Prozeduren). Örtlich getrennt arbeitende Teammitglieder können jedoch die Vorteile des Seite-an-Seite Arbeitens und den damit verbundenen geteilten visuellen Kontext nicht nutzen, um eine TSA herzustellen.

Die zentrale Fragestellung unseres Projektes lautet daher: Inwieweit kann Augmented Reality (AR) dazu beitragen, die zeitliche Koordination einer geskripteten Team-Aufgabe durch den Aufbau einer TSA zu unterstützen, die von räumlich getrennt arbeitenden Teammitgliedern ausgeführt wird?

In einem experimentellen 2 x 2 Design (Faktor 1: 2D/3D Einblendung; Faktor 2 statisch/dynamische Systemzustandsdarstellung) mit insgesamt 110 Zwei-Personen Teams (∑220 Vpn), die jeweils eine individuelle Aufgabe und eine gemeinsame Teamaufgabe ausführen, nehmen wir einen Haupteffekt der AR Einblendung auf die zeitliche Koordination der Teamaufgabe an (H1). Zusätzlich untersuchen wir den Nutzen von 2D versus 3D sowie von statischer versus dynamischer Darstellung für die TSA und die zeitliche Koordination.

Wir nehmen an, dass 3D Einblendungen die TSA mehr fördern als die 2D Einblendung (H2). Zudem nehmen wir an, dass die dynamische Darstellung die TSA der individuellen Aufgabe besser unterstützt als die statische, da die Ambient Awareness des Abstands bis zum korrekten Timing des nächsten Eingriffs in der Teamaufgabe weniger Aufmerksamkeitsressourcen erfordert als die statische und somit mehr Aufmerksamkeitsressourcen bei der individuellen Aufgabe verbleiben kann. Das langfristige Ziel der Forschung besteht darin, Koordinationsartefakte wie die AR zu entwickeln, die bereits empirisch untersucht wurden und die die zeitliche Koordination von räumlich getrennt arbeitenden Teammitgliedern durch eine erhöhte TSA unterstützen können. Die Ergebnisse können dazu beitragen, Teamkoordinationsanforderungen besser zu verstehen und Leitlinien zu entwickeln, die auf arbeitspsychologischen und Human–Computer-Interaction-Prinzipien beruhen, um diese in der digitalisierten Produktion und in der Industrie 4.0 einzusetzen.