Newsletter Ausgabe 31

Meldung vom Montag, 30. Juni 2014

  • Aus der Forschung:
    • Schützt eine hoch ausgeprägte Merkfähigkeit vor dem Fertigkeitsverlust in automatisierten Arbeitsumgebungen? (von Barbara Frank, Marcel Reefmann, Sanaz Maafi und Annette Kluge)
    • Gaze Guiding als Unterstützung des Fertigkeitsabrufs (von Kathrin Bischof, Benjamin Weyers und Annette Kluge)
  • Für die Praxis:
    • Der Einsatz mobiler Endgeräte bei der Störungsdiagnose und deren Akzeptanz durch die Mitarbeiter/innen (von Anatoli Termer & Annette Kluge)
  • Aus der Praxis:
    • Unsere „Lessons-learned“. Ein Leitfaden zu Blickbewegungsuntersuchungen in „realen Umgebungen“ (von Nikolaj Borisov und Felix Born)
  • News:
    • Aktuelle Veröffentlichungen

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Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser! Von der Komplexität „erwischt“. Heute bin ich erneut „Opfer“ des eng gekoppelten Systems der Bahn geworden. Letztlich schon saß ich Nachts um 23.30 Uhr in einem mir vorher unbekannten Ort namens „Siegelsdorf“ fest, weil es nach einem Unwetter Bäume auf den Gleisen Richtung Nürnberg gab, die Feuerwehr im Einsatz war und auch schon tat was sie konnte, um die Gleise wieder frei zu bekommen. Von Siegelsdorf sind es ca. 20 min mit dem Bus (kein Linienbus!, sondern ein durch die Bahn angeheuerter Spezialbus) bis Fürth, von Fürth gibt es selbst nach 24.00 Uhr noch U-Bahnen nach Nürnberg und so gegen 3.00 Uhr morgens hatte ich es zumindest bis Ingolstadt geschafft. Kurz danach geriet ich abends mit einem ICE in die Unwetterkatastrophe über Düsseldorf und Duisburg. Es war wie in einem Katastrophenfi lm, aber leider ohne wegzappen. Der Bahnverkehr wurde sinnvollerweise eingestellt, vier Stellwerke meldeten Blitzeinschläge, es dauerte über eine Woche bis der Bahnverkehr im Ruhrgebiet wieder planmäßig lief. Jetzt sitze ich gerade in der abendsonnendurchfl uteten Bahnhofshalle in Frankfurt (außerplanmäßig), weil es einen Oberleitungsschaden sowie Personenschäden zwischen Köln und Siegburg/Bonn gibt und das eng gekoppelte System insgesamt aus den Fugen geraten ist. Komplexität ist ein sehr faszinierendes Phänomen. Vor vier Tagen standen wir über 90 min in Gaislingen, wegen eines Notarzteinsatzes auf den Gleisen. Ich kann mir gut vorstellen, was die Personen in den Leitstellen der Bahn in solchen Situationen leisten müssen, um alles wieder in „geordnete Bahnen zu lenken“. Ich bin inzwischen nur noch mit Wanderausrüstung oder in Sportsachen mit der Bahn unterwegs. Man weiß nie genau wo man landet, und dann sollte man gerüstet sein, zur Not auch zu Fuß weiter zu kommen. Und ich bin nicht mehr ohne Smartphone und Bahn-App unterwegs, die einem das Bahn-Hopping und Zeitreisen ermöglicht, denn man erreicht Dank der Bahn-App die Züge aus der Vergangenheit. Und so lernt man beim Bahnfahren ganz besonders die Charakteristika der Komplexität kennen sowie die Mechanismen der Eigendynamik zu nutzen, um mit der Bahn durch den Gleisverkehr zu surfen, in dem man die Züge der Vergangenheit auffi ndet, um die Abläufe der Zeit an einem einem selbst vorher völlig unbekannten Bahnhof irgendwo in Deutschland wieder zusammenzufü- gen. Und ich bewundere die Gelassenheit der Bahn-Mitarbeiter/innen, mit der sie die Fahrgastrechtformulare an die Reisenden austeilen und immer dieselben Fragen der Personen ohne Bahn-App beantworten. Großes Kompliment! Während ich im Zug stecke, arbeiten meine MitarbeiterInnen an aufregenden Projekten. Z. B. an der Frage, ob Operateure mit hoch ausgeprägter Merkfähigkeit für die „non-routine Situations“ besser gerüstet sind als Operateure mit niedrig ausgeprägter Merkfähigkeit. Barbara Frank hat die Antwort auf diese Frage für Sie parat. Um das Gedächtnis und die Merkfähigkeit nicht überzustrapazieren, entwickelt Kathrin Bischof unter fachlicher Supervision von Dr. Benjamin Weyers ein innovatives HumanComputer-Interface, welches den Operateur in „non-routine Situations“ dabei unterstützt sich zu erinnern. Sie berichtet von ihren ersten Entwürfen dieser Erinnerungshilfen. Anatoli Termer berichtet von seinem Projekt zu mobilen Endgeräten in der Instandhaltung großer Fertigungsanlagen und betont, wie wichtig es ist die technischen Lösungen so zu entwickeln, dass sie eine hohe Technik-Akzeptanz bei den Nutzer/innen hervorrufen und auch tatsächlich dabei helfen die Aufgaben effi zienter und effektiver abzuarbeiten. Wer schon einmal z.B. mit SAP arbeiten musste, weiß, dass die Technik-Akzeptanz und auch der erlebte Nutzen nicht unbedingt mit jeder Technik verbunden sein muss. Und wenn Sie sich auch schon einmal mit dem Gedanken befasst haben, einen mobilen Eye Tracker in der Forschung oder Praxis zu nutzen, dann sollten Sie vorher den Bericht von Nikolaj Borisov und Felix Born lesen, die ihre Erfahrungen für Sie als kleinen Leitfaden niedergeschrieben haben. Mit so einem Eye Tracker kann man sehr viel Spaß haben, weil es leider nicht so leicht ist, wie es aussieht und wir hatten immer großen Spaß uns im Team von den Abenteuern und Erlebnissen unserer beiden Informatik-Profi s mit dem Eye Tracker erzählen zu lassen. Forschung ist eben oftmals auch sehr lustig.

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