Das Team-Arbeit-Kontext-Analyse Inventar (TAKAI)

Autorinnen
Vera Hagemann und Annette Kluge

Einsatzbereiche
Das TAKAI (Team-Arbeits-Kontext Analyse Inventar) ist ein Instrument zur Erhebung des Arbeitskontextes von Teams in High Reliability Organisationen, aber auch von Teams ausserhalb solcher Organisationen. Das Ziel ist die Belastungen zu erfassen, die aufgrund der Charakteristika des Arbeitskontextes auf die Teams bzw. ihre Leistung einwirken. Die Teammitglieder selbst werden befragt und sie geben als Experten ihrer Arbeit schriftlich Auskunft über ihren Arbeitskontext. Dabei wird nicht die Leistung von Personen im Arbeitskontext bewertet, sondern es werden explizit die Charakteristika des Arbeitskontextes erfragt, indem beschreibende Aussagen bewertet werden sollen. Anschliessend können auf Basis dieser erhobenen Daten Crew Resource Management-basierte Interventionen massgeschneidert und zuverlässig aber effizient aus der Luftfahrt auf andere Teams übertragen werden.
Dieses Instrument unterstützt den Bedarf, dass immer mehr Arbeitskontexte wie bspw. die Polizei oder auch die Feuerwehr CRM-basierte Interventionen nutzen wollen. Wird das TAKAI vor einer Übertragung solcher Interventionen eingesetzt, ist ein zuverlässiger Transfer der Inhalte möglich, so dass die Teilnehmenden fundiert lernen und sie ihr Verhalten langfristig verändern können.

Ziele des TAKAI
• Analyse des Arbeitskontextes / der Arbeitsbedingungen einer Organisation bzw. Branche im Bereich der HROs
• Gegenüberstellung verschiedener HROs, Vergleich anhand der Dimensionen und Herausarbeitung der Unterschiede
• Erarbeitung von Profilen für jede HRO
• Analyse des spezifischen Trainingsbedarfs bezogen auf C/TRM in einer Branche
• Ableitung von Konsequenzen aus den Profilen für eine Anpassung von CRM-Trainings für HROs im Non-Aviation Bereich

Inhalte
Die vier zentralen Kategorien zur Erhebung des Arbeitsumfeldes sind die: 1) Komplexität, 2) Kontextkriterien, 3) Adaptive Verhaltensweisen, und 4) Shared Mental Model. Diese vier Kategorien bestehen insgesamt aus 14 Itemgruppen (Skalen) und 12 Einzelitems als Indikatoren.
Zur Kategorie Komplexität zählt:
• Intransparenz
• Vernetztheit: Abteilungen
• Vernetztheit: Informationsfluss
• Polytelie
• Eigendynamik
• Verzögerte Rückmeldung
Zur Kategorie Kontextkriterien zählt:
• Geschwindigkeit der Teambewegung
• Gruppengröße
• Geschwindigkeit der Systemveränderungen
• Persönliche Bedrohung
• Hierarchie (Followership, Leadership)
• Umweltfaktoren
• Beeinträchtigung der Kommunikation
• Bekanntheit der Arbeitsumgebung

Zur Kategorie Adaptive Verhaltensweisen zählt:
• Informationssammlung
• Aufgabenpriorisierung
• Aufgabenverteilung

Zur Kategorie Shared Mental Models zähl:
• Team
• Aufgabe

Bearbeitung
Erhoben werden die Belastungen bzw. die Charakteristika des Arbeitskontextes anhand von 62 Fragen, die vier zentrale Kategorien mit insgesamt 14 Itemgruppen und 12 Einzelitems als Indikatoren erfassen. Befragt werden die Teammitglieder der interessierenden Berufsgruppe, wobei die Bearbeitungsdauer des Inventars ca. 20 Minuten in Anspruch nimmt. Die Befragung kann online oder in einer Paper-Pencil Form erfolgen.

Bei Interesse an dem Instrument können Sie sich gerne an Frau Dr. Vera Hagemann (vera.hagemann@rub.de) wenden.

Zitierung:
Hagemann, V. (2011). Trainingsentwicklung für High Responsibility Teams - Eine systematische Analyse von High Responsibility Team-Arbeitskontexten und Ableitung der High Responsibility Team-spezifischen kritischen Situationen sowie der Trainingsziele mit anschließender Trainingsevaluation. Lengerich: Pabst Verlag.
Hagemann, V., Kluge, A. & Ritzmann, S. (2011). High Responsibility Teams – Eine systematische Analyse von Teamarbeitskontexten für einen effektiven Kompetenzerwerb, Psychologie des Alltagshandelns, 4(1), 22-42.